Eine Möglichkeit für die Schweiz besteht aber auch darin, sich an grosse Abkommen anzuschliessen. Auch die Einhaltung der technischen Normen hätte nur noch einmal überprüft werden müssen, und die Prüfung wäre danach für die Schweiz, die EU und die USA gültig gewesen. Gemäss Schätzungen hätte dies zu einem Wachstumsbeitrag zum Schweizer BIP von plus 2.9% geführt (WTI 2014). Seit 2008 wurden weltweit rund 15’000 handelshemmende Massnahmen implementiert, davon betreffen rund 3’000 auch die Schweiz. Dabei hat die grosse Mehrheit dieser neuen Massnahmen, nämlich rund 84%, einen nicht-tarifären Charakter.
Ein möglicher Grund für den relativen Bedeutungsverlust liegt bei den aufstrebenden, stark wachsenden Ländern wie beispielsweise China. Während sie früher mehrheitlich für den Aussenmarkt produziert haben, ist der Heimmarkt mittlerweile stark angestiegen und ein immer höherer Anteil ihrer Produktion wird im Inland konsumiert. Deutliche Einkommenszuwächse ermöglichten diese Erhöhung des inländischen Konsums (ECB 2016, Lund et al. 2019). Im Zuge der Globalisierungswelle der letzten drei Jahrzehnte hat sich der grenzüberschreitende Handel einem strukturellen Wandel unterzogen. Der Warenhandel bleibt dominant, doch Dienstleistungen, Investitionen sowie auch der Austausch von Arbeitskräften werden immer wichtiger. Aber auch die Hürden, die einem freien Handel im Wege stehen, sind nicht mehr von gleicher Natur.
Handel zwischen den Partnern:
Das Abkommen der Schweiz mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten ist dafür ein gutes Beispiel. Darüber hinaus sollte die Schweiz ihre Handelsbeziehungen breiter aufstellen, sowohl im Import als auch im Export, um fragile Abhängigkeiten zu reduzieren. Entscheidend dabei ist, den arbivex plattform Handel mit Ländern zu stärken, die trotz hoher Wirtschaftskraft ebenfalls verwundbar sind.
Dies nicht nur wegen einer schwächeren Wirtschaftsentwicklung, sondern auch aufgrund eines fehlenden Liberalisierungswillens in den jüngsten Jahren (Weltbank 2019a). Es existieren diverse Hebel, die eine Teil-Liberalisierung des Agrarsektors ermöglichen. Rund 56% der Landwirte sind heute über 50 Jahre alt und würden bei langen Übergangsfristen kaum von einer partiellen Marktöffnung betroffen sein. Auch das Zugestehen eines begrenzten, zusätzlichen Kontingents, zu dem zollfrei in die Schweiz importiert werden kann, ist ein möglicher Weg.
Einhaltung der MTCR-Richtlinien und des Anhangs durch Nicht-Mitglieder:
- Auch sie mussten weitreichende Zugeständnisse machen und zusätzliche Investitionen in den USA versprechen.
- Entscheidend dabei ist, den Handel mit Ländern zu stärken, die trotz hoher Wirtschaftskraft ebenfalls verwundbar sind.
- Dafür ist das flexible Innovationssystem der Schweiz mit einer starken Grundlagenforschung unerlässlich.
- Die lokalen Gemeinschaften fordern nun eine Mitsprache im Schliessungsprozess.
- Höhere Fachschule (HF)Eine weitere Möglichkeit ist der Besuch einer Höheren Fachschule.
Sie besitzen weniger Drohpotenzial und sind stabile Partner für eine offene Volkswirtschaft wie die Schweiz. Indien und Kanada sind gute Beispiele, ebenso wie viele Staaten in Lateinamerika und Asien. Mit dem internationalen Handel von Gütern und Dienstleistungen erzeugt die Schweiz in vielen Ländern Wohlstand – so auch in den USA. Ohne den Handel mit der Schweiz wären viele Länder in Europa, Amerika und Asien etwas ärmer. Der Avenir-Suisse-Freiheitsindex misst jährlich die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Freiheiten in den Schweizer Kantonen.
Handel und Investitionen
Verstärkt wird die Schweizer Verwundbarkeit dadurch, dass die US-Regierung strategisch ausschliesslich auf den Warenhandel fokussiert und Dienstleistungen und Direktinvestitionen ausblendet. Zwar hat die Schweiz einen Handelsbilanzüberschuss im Warenhandel mit den USA. Bei Dienstleistungen wie Software oder Cloud-Services ist es jedoch umgekehrt. Ein vollständiger Alleingang in der Regulierung von Medtech-Produkten empfiehlt sich für die Schweiz ebenfalls nicht. Der inländische Markt ist zu klein, viele Hersteller könnten entscheiden, ihr Produkt erst gar nicht in der Schweiz zu verkaufen. Die Leidtragenden wären die Patienten, die nicht mehr Zugang zu den neuesten Medtech-Lösungen hätten.
Der WTO angeschlossen haben – von 23 Ländern im Jahr 1947, als das GATT ins Leben gerufen wurde, auf 164 Länder in der 2011 gestarteten Doha-Runde (WTO 2007). Die Produktion von Gütern und Dienstleistungen wird in immer kleinere Arbeitsschritte zerlegt, die von unterschiedlichen Firmen und in unterschiedlichen Ländern ausgeführt werden. Die so entstehenden globalen Wertschöpfungsketten wurden insbesondere in den 1990er und 2000er Jahren zunehmend komplex (vgl. Box 3), wobei sich dieser Trend nach der Finanzkrise wieder etwas verlangsamte.
Auf der anderen Seite erwirtschaften wir einen grossen Teil unseres Wohlstands mit Exporten wie Präzisionsinstrumenten, Maschinen, Uhren, Medikamenten und Finanzdienstleistungen. Neben der verstärkten Integration in die globalen Wertschöpfungsketten hat in der Schweiz auch eine Verschiebung weg von der Herstellungsphase hin zur Konzeptions- und Vermarktungsphase stattgefunden. In diesen vor- und nachgelagerten Produktionsphasen wird in der Regel die höchste Wertschöpfung generiert (Lobsiger und Morlok 2014). Dieser Strukturwandel weg von traditionellen Tätigkeiten der Industrie, hin zu in der Wertschöpfungskette vor- und nachgelagerten Tätigkeiten geht meist auch mit höheren Qualifikationsanforderungen einher (Busch und Schluep Campo 2013, vgl. Box 4). Nicht alle der beschriebenen globalen Trends lassen sich in gleichem Ausmass für die Schweiz beobachten.
